Mittwoch, 15. April 2015

Zahnpflege bei Hunden und Katzen – Wie entsteht Zahnstein?


Unsere Hunde und Katzen sind Fleischfresser! Ihr Gebiss ist dementsprechend darauf ausgelegt Beutetiere zu greifen, anschließend den Tierkörper zu zerlegen und weitgehend „mit Haut und Haaren“ zu fressen.
Hierbei erfüllen die verschiedenen Zahngruppen bestimmte Funktionen! Im Gegensatz zu Pflanzenfressern hat der Hund keine Verdauungsenzyme im Speichel und produziert auch vergleichsweise wenig Speichel.
Jeder Hund ist ein einzigartiges Individuum, daher gilt, dass die Keimflora im Maul von Hund zu Hund unterschiedlich ist. Ebenso variiert die Speichelzusammensetzung und natürlich das Kauverhalten deutlich.

In der Maulhöhle versucht der Organismus einen pH Wert von 7 einzuhalten.
Pauschal hat Fleisch einen pH Wert unter 7, Kohlenhydrate fangen bei deutlich über 7 an. Zahnsteinbildende Bakterien werden durch Kohlenhydrate ernährt und diese sorgen für Plaque – die Vorstufe des Zahnsteins. Durch das vergären von Kohlenhydraten in der Nahrung entstehen Säuren, die den pH Wert absenken. Sinkt der pH Wert unter 5,7, so entsteht ein saures Milieu → die Zahnsteinbildung beginnt....

Interessant ist auch zu erwähnen, dass die Magensäure des Hundes zehnmal mehr Salzsäure als die Magensäure des Menschen enthält. Der Hund hat mit Nahrung im Magen einen pH-Wert unter 1, der Mensch 4-5!!
Die Produktion der Verdauungssäfte beim Hund erfolgt durch den Schlüsselreiz → Fleisch!!!

Also die Schlussfolgerung …. Hunde und Katzen behalten ein gesundes Gebiss wenn man sie an ihre Anatomie und ihr Fressverhalten angepasst ernährt!
Die natürlichste und gesündeste Variante der Zahnpflege ist Kauen, Kauen und nochmal Kauen!
Dafür eignen sich am besten rohe Karotten, rohe Rind-, Kalb oder Lammknochen.


Bitte Knochen niemals gekocht dem Hund verfüttern, da durch die Hitzeeinwirkung das Knocheneiweiß verändert und die Verdaulichkeit sinkt. Knochen können dann als Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt wirken und zu Verstopfungen führen. Weiters werden aus dem Knochen die natürlichen Weichmacher rausgekocht und die Knochen werden hart wie Stein und können die Zahnsubstanz beschädigen.
Interessant ist auch, dass Zahnstein meist (je nach Haltung des Hundes oder der Katze) vermehrt an einer Stelle im Gebiss auftritt.
Bei größeren Hunden, die sich gerne mit Kauspielzeug wie Rinderkopfhaut oder speziellen Kauholz (Torgas Wurzel) beschäftigen, sind die Schneidezähne durch das häufige Kauen in einem guten Zustand. Hingegen sind es bei kleineren Hunden und Katzen oft die Schneidezähne, die als erstes Zahnbelag, Zahnstein und Zahnfleischentzündungen aufweisen. Das zeigt umso mehr wie wichtig es gerade auch bei kleinen Hunden und Katzen ist, sie zum Kauen zu motivieren. 


Man sollte jedoch berücksichtigen, dass auch trotz einer naturnahen Fütterung (z.B. BARFen) bei entsprechend empfindlichen Hunden Zahnprobleme entstehen können. Daher gilt in regelmäßigen Abständen die Mundhöhle unserer Hunde und Katzen zu kontrollieren! Denn es könnte z.B. beim Kauen von Holz oder spitzen Knochen zu Verletzungen des Zahnfleisches kommen und sich Bakterien in die Wunde einnisten und so eine Entzündung des Zahnfleisches entstehen.
Oder bei älteren Tieren können auch die Zähne einfach ab- oder ausbrechen!
Und da Hunde und Katzen trotz großer Schmerzen keinen Anlass zur Sorge geben, weil sie uns es uns nicht durch Verhaltensänderung zeigen, kann es sein das es von heute auf morgen eine „dicke Backe“ gibt und der Zahn nur noch entfernt werden kann oder noch schlimmer eine Entzündung bis in die Kieferhöhlen geht!
Also vorbeugen ist besser als als „reißen“!!

Und falls sie denken, ich geb ja eh Trockenfutter, da geht mit dem Abrieb der Zahnstein ab.....
Falsch gedacht, denn gerade durch das Trockenfutter (Hauptbestandteil Getreide und Zucker) entsteht Zahnstein erst (siehe oben – pH-Wert)!

Und Zahnstein muss mit harten Bandagen abgeschliffen oder gebrochen werden, da kann einmal drauf kauen auf einen Keks nicht ausrichten!
Wenn wir also nicht immer in die Natur eingreifen würden und unsere Haustieren mit „Junkfood“ ernähren würden, wäre Zahnstein nie ein Thema, wie eben in der Natur auch!


Mit tierisch gesunden Grüßen!

Evelyn Schörkmayer

Kommentare:

  1. SEHR GUTE ZUSAMMENFASSUNG DES THEMAS. ZÄHNEPUTZEN BEIM HUND WIRD JA HÄUFIG UNTERSCHÄTZT UND NICHT BEACHTET. AUCH WIR PUTZEN UNSEREN HUNDEN DIE ZÄHNE ODER GEBEN IHNEN ENTSPRECHENDES KAUZEUG. WEITER SO!

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